Vorstellung: eBook-Reader Sony PRS600 (Touch edition)

Ich habe etwas neues, das meinen Alltag erleichtern und bereichern sollte: Einen eBook-Reader von Sony mit Touchscreen. Bei den bisherigen Geräten fehlte mir schlicht die Möglichkeit, eigene Anmerkungen oder Hervorhebungen (einfach) vorzunehmen – ein wesentliches Element meines Arbeitens, wenn ich Dinge lese. Nachdem der neue PRS600 dies nun offerierte, habe ich mir einen angeschafft.

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Ansicht: Sony PRS600 (Touch Edition)

So ein Gerät pendelt natürlich zwischen zwei Polen: Geniale Arbeitshilfe oder hübsch anzusehende Spielerei. Mein Fazit nach gut 2 Wochen: Schwierig. Vor allem, weil man wieder das wichtigste nicht hoch genug einstuft.

Also vom Lesestil her ist es wirklich toll: Diese Displays sind verdammt gut zu lesen, kommen auf jeden Fall an bedrucktes Papier ran. Das merkt man auch nicht zuletzt beim Lesewinkel – gleich wie man es hält, es wirkt immer gut und klar. Auch die eingebaute Zoom-Funktion klappt sehr gut, ich konnte bisher alles so einstellen, dass es immer ideal lesbar war. Ein Vergleich vom Lesegefühl her mit einem Bildschirm verbietet sich schlicht.

Hier gibt es beim reinen Lesen also nichts zu mosern, aber: Beim Umblättern. Jedenfalls der PRS600 bietet ein relativ träges Display, es dauert eine gefühlte Sekunde, bis eine Seite aufgebaut ist. Wenn ich z.B. in einem Buch nicht einfach nur Seite für Seite blättere, sondern (ohne die Seitenzahl zu kennen) einen bestimmten Abschnitt suche und von Seite X zu Y zu Z springe – das Springen geht übrigens sehr komfortabel! – wird der träge Seitenaufbau äußerst nervig. Hier liegt m.E. das grösste Versagen von Sony bei dem Gerät, das ich inzwischen auch als unverzeihlich einstufe.

Zweiter Wehrmutstropfen ist die Software: Optisch auf itunes gemacht ist sie schon zugänglich und leicht zu bedienen. Doch kann man nicht einfach eigene PDF-Dateien in die Bibliothek ziehen, vor allem verwaltet die Bibliothek die importierten Bücher nicht selbstständig. Man sollte also ein eigenes Verzeichnis anlegen und hier selber die Bücher organisieren, um diese dann in die Software zu importieren. Umständlich und wie immer ein Zeichen, dass man bei einem Produkt nicht zu Ende denken konnte.

Besonders ärgerlich ist aber etwas anderes: Mann kann Autor und Titel des Buches nicht einfach in der Bibliothek ändern, vielmehr muss man die entsprechende PDF-Datei mit dem Adobe Acrobat öffnen, die Dokumenteninfos ändern und hat dann das gewünschte Ergebnis. Höchst Nervig und nicht Alltagstauglich.

Wenn man die Bücher einmal auf dem Reader hat – man kann die Bücher übrigens in „Sammlungen“, dem Äquivalent zu Playlists, organisieren – geht es aber wirklich sehr gut, hier gibt es keinen Grund zu motzen. Bis auf das träge Display, das aber beim normalen Lesen nicht wirklich ins Auge fällt.

Glücklicherweise habe ich das Gerät auch in erster Linie hierzu: Meine inzwischen 14 Newsletter speichere ich als PDF und lese sie auf dem ebook-Reader, hier liegt eine merkliche Bereicherung des Alltags. Vor allem, da ich nun problemlos markieren und die wichtigen Teile aus den Newslettern dann später verwenden kann.  Genauso arbeite ich mit Fotokopien von Aufsätzen/Urteilen.

Die Notizfunktion ist sehr schön: Man kann tatsächlich mit dem Pen wild in den Skripten krakeln, aber auch „Leseecken“ hinzufügen, mit der Touchscreen-Tastatur digitale Notizen hinzufügen oder mit einem Marker Hervorhebungen vornehmen. Auch dies ist definitiv alltagstauglich.

Das Kaufen von Büchern ist es leider nicht: Die deutschen Buch-Verlage legen die gleiche Intelligenz an den Tag wie vor 10 Jahren die Musikindustrie. Allen ernstes will man mir ebooks verkaufen, die bestenfalls 2-3 Euro günstiger sind als die gedruckten Werke. Es wird mit entsprechender Verbreitung der Geräte, nicht lange dauern, bis hier ein blühender Tauschhandel entsteht.Dabei gibt es attraktive Vertriebsmodelle, so könnte man sich ein Buch (gedruckt) kaufen und das Werk dann vom Verlag (gegen kleinen Aufpreis?) als ebook erhalten. Neu ist die Idee nicht, viele DVDs bieten heute beim Kauf eine digitale Kopie fürs Notebook an. Aber die Verlage in Deutschland, die sich über die Buchpreisbindung jeglicher Modernisierung verweigern, wollen offenbar den gleichen Leidensweg gehen wie die Musikindustrie. Es ist nicht meine Entscheidung, aber eben hier der Hinweis: Wer sich sowas anschaffen will, um ebooks zu kaufen, sollte vorher sehen, auf welches Preisspiel er sich einlässt.

Die sontigen Funktionen (man kann damit Fotos ansehen und Musik hören) stelle ich nicht vor, da ich sie nicht nutze. Die Fotos sind Schwarz/Weiß, für Musik habe ich einen ipod – lieber ist es mir da, wenn Sony von solchen Spielereien die Finger lässt und die Bibliotheks-Software verbessert, hier ist genug zu tun.

Im Fazit ist es also letztlich schwierig: Das Gerät ist definitiv eine Bereicherung meines Alltags. Schade ist es, dass ebooks als solche zu teuer sind (dann hole ich mir gleich das Gedruckte), wobei Verlage auch mal überlegen könnten, gedruckte vergriffene Bücher als ebooks verstärkt anzubieten. Juristen haben den Vorteil, dass sie Unmengen von Content (mitunter kostenlos) digital erhalten, von Newslettern bis hin zu ganzen Zeitschriften. Die HRRS etwa liest sich sehr gut auf dem Reader. Wer – wie ich – sehr viel Content digital konsumiert und einfach keine Lust mehr auf einen Laptop-Bildschirm hat, ist hier letztlich richtig. Am besten ist es wohl, sich das Gerät als Verbraucher mittels Fernabsatz nach §13 BGB zu bestellen, eine Woche ernsthaft zu testen und dann zu entscheiden, ob man es behält oder nicht. Eine Allgemeine Empfehlung verbietet sich m.E. zur Zeit, vor allem, da die Verlage nicht mitspielen wollen.

Anmerkung: Wer nicht unbedingt die Textmarker-Funktion mittels Pen braucht bzw. haben möchte, sollte den PRS505 (immerhin 100 Euro günstiger) testen. Das Schriftbild erschien mir etwas schärfer, wahrscheinlich mussten beim PRS600 einfach Abstriche wegen des Touchscreens gemacht werden. In der Bedienung war der PRS505 sehr zugänglich und jedenfalls Leseecken bietet er auch.

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