Vorstellung: 60 Jahre Grundgesetz

Wenn Klaus Stern ein Buch zum Grundgesetz herausgibt, liegt auf der Hand, dass das nicht für den Alltag geeignet ist. Dennoch möchte ich es hier zumindest kurz vorstellen, für Studenten nur zu einem Zweck, für jeden am Grundgesetz interessierten Juristen aber zum generellen Lesen. Wer Spaß an der Auseinandersetzung mit unserem Grundgesetz hat, der wird hier seine Freude haben.

Das Buch ist keine „Abhandlung“, sondern beinhaltet die Redebeiträge samt Diskussionen zu einem Kongress, der vom 24.5.2009 bis zum 26.5.2009 in NRW stattgefunden hat. Thema: „Das Grundgesetz für die BRD im Europäischen Verfassungsverbund“. Damit ist eines sicherlich klar: Es ist kein Buch für „jedermann“.

Inhaltlich bietet das Buch die folgenden Beiträge:

  • Mertes: Begrüßung
  • Schneider: Grußworte
  • Stern: Einführung
  • Schambeck: Das Grundgesetz und seine Bedeutung für die neue Ordnung des integrierten Europa
  • Skouris: Die mitgliedstaatlichen Verfassungen nach fünfzig Jahren europäischer Integration.
  • Starck: Das Grundgesetz heute; Deutsche und europäische Perspektiven
  • Villalon: Das Grundgesetz in der spanischen Verfassungsentwicklung (1978-2008)
  • Papier: Die Bedeutung des Grundgesetzes im Europäischen Staatenverbund
  • Ziller: Der Europäische Verfassungsverbund ohne Verfassungsvertrag
  • Wyrzykowski: Von der verfassungsrezeption zum Dialog – Das Grundgesetz und der polnische Konstitutionalismus
  • Ress: Das Grundgesetz im Rahmen des europäischen Menschenrechtsschutzes
  • Regge: Schlussworte
  • Stern: Schlussworte

Man kann das alles lesen und wer – wie ich – Freude an diesem Thema findet und es einfach aus Interesse verfolgt, der wird dies auch tun. Sicherlich ist das die Minderheit der Leser, ein verschwindend geringer Anteil der Studenten, und: Es muss auch nicht sein. Wer in seinem Alltag so viel zu lesen hat, das Zeit Mangelware ist, der darf hier auch einmal Verzicht üben.

Aber: Es ist ein verständlicher Verzicht – mit Einschränkungen. Zum einen, wenn man demnächst an einer Seminar-/Hausarbeit rund um das Thema Grundrechte im europäischen Verfassungsverbund schreibt, findet man hier natürlich eine herausragende Quelle für Referenzen und eine gute Gelegenheit, einzelne Punkte dieses Themas zu vertiefen.

Und auch inhaltlich möchte ich 3 Beiträge hervorheben und dringend dazu aufrufen, diese zu lesen:

  1. Die Einführung von Stern (gute 14 Seiten) ist ein herausragendes Plädoyer für Rechtsstaat und Demokratie, appellierend an den Sachverstand der Juristen. Insgesamt ist es immer etwas besonderes, Klaus Stern auf „seinem“ Gebiet zu hören oder zu lesen und man sollte die Gelegenheit nicht verstreichen lassen.
  2. Wenn Schambeck über das Grundgesetz und seine Bedeutung für die neue Ordnung des integrierten Europa referiert, verbirgt sich dahinter eine so nicht zu erwartende soziale Komponente, die nachdenklich stimmt – und zu Verantwortungsbewusstsein aufruft.
  3. Absolutes Pflichtprogramm und leider gar nicht bisher entdeckt ist der Beitrag von Hans-Jürgen Papier mit dem Titel „Die Bedeutung des Grundgesetzes im Europäischen Staatenverbund“. Hier wird nicht nur eine überraschend gut aufbereitete Abhandlung über die Verzahnung von „Europa“ und dem Grundgesetz geboten. Darüber hinaus bietet er – wenn auch nur kurze – Ausführungen zum „Rechtsprechungsverbund“, also dem Zusammenspiel von EUGH und BVerfG. Und ohne vorweg zu greifen der Hinweis, dass ich mit einem Schmunzeln z.B. diesen Satz lesen durfte: „So hat die sogenannte „Solange I“-Entscheidung des BVerfG aus dem Jahr 1974 sicherlich dazu beigetragen, dass der EUGH begonnen hat, auf Gemeinschaftsebene einen ausreichenden Grundrechtsschutz zu etablieren“. Wohl war, aber wie treffend, wenn diese Worte vom damals amtierenden Präsidenten des BVerfG kommen 😉

Im Ergebnis ein wirklich tolles Buch, auch wenn nur eine sehr kleine Zielgruppe davon insgesamt angesprochen wird. Ich möchte dringend dazu raten, zumindest obige Tipps 1 und 3 im Seminar nachzulesen. Wer die Muße aufbringt, sollte Tipp 2 auch noch beherzigen. Die drei Beiträge sind dabei zumindest mittelbar – der von Papier sogar unmitellbar – auch für das Studium allgemein gewinnbringend.

Ein Gedanke zu „Vorstellung: 60 Jahre Grundgesetz

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