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Während ich gerade beim Kopfzeiler den Artikel zum Tod der Blogosphäre lese, muss ich über den unsäglichen Unsinn nachdenken, den ich gerade im RSS-Reader ertragen musste: Das Gezanke zwischen Jurabilis und RA S. hat die Blawgs erfasst. Und das Ergebnis: Ein öder Abend im RSS-Reader.

Wie so oft zeigen Juristen, dass sie noch so gut in der mitunter anspruchsvollen Rechtsanwendung sein können: Die Fähigkeit, Probleme zu kartographieren gehört offensichtlich nicht dazu. Die Paragraphenreiterei scheint manch einen abzustumpfen. Nur so ist es zu erklären, dass das Problem um das es hier geht, offenbar gar nicht begriffen wird.

Es geht gar nicht um das Niveau der Blawgs, denn eine solche Diskussion kann ein Einzelner gar nicht anstossen. Wie ich unter Kommentar 9 bei Jurabilis dargelegt habe, wäre jede Diskussion zu diesem Thema ohnehin vertane Zeit.

Das worum es hier geht, ist eine Jurablogs.com Diskussion. Worüber RA S. schreibt oder nicht, ist nicht nur seine Sache, AH auf Jurabilis hat dies zudem ausdrücklich festgehalten. Das Problem ist nicht der Inhalt, sondern die Tatsache, dass scheinbar zunehmend konträre Erwartungen an Jurablogs.com gestellt werden: Viele – wie ich – nutzen es als News-Aggregator für juristische Blogs. Je nach Erwartungshaltung gibt es dann irgendwann Streit, wenn ein bestimmter Inhaltstyp zu oft auftaucht. Auch dies ist aber letztlich vorhersehbar gewesen, wenn man bedenkt, dass und in welchem Umfang Jurablogs.com expandierte in den vergangenen Monaten.

Die nun stattfindende Diskussion ist also keine Niveau-Diskussion (die zu dem überflüssig wäre wenn man sie führen will, siehe oben); Sie ist auch keine Filter-Diskussion, sondern eine reine Anwendungsdiskussion. Die aber ist schon lange erledigt, wenn man die Kommentare bei Jurabilis liest, merkt man, dass der Jurablogs-Betreiber angekündigt hat, man kann man selber auswählen was man auf Jurablogs.com lesen kann.

Warum also schwelt die Diskussion weiter? Ich führe dies auf zwei Faktoren zurück:

  1. RA S. beweist gerade für mich eindrucksvoll, dass er in der Lage ist, durch Polarisierung Leser zu schaffen. Ich kann nur vermuten, dass er ganz bewusst (zuletzt mit seiner Auktion) die Situation geniesst und einfach Spass an der Sache hat. Ich möchte hier sagen, wenn dem so ist: Respekt. Es funktioniert nicht nur, sondern wird für viele Leser sorgen. Ärgerlich ist für mich, dass es deswegen das beherrschende Thema heute in den RSS-Dateien ist – aber auch das ist wieder nur persönlich.
  2. Der zweite Faktor ist ein anderer: Über Jurablogs trifft sich eine bunte Mischung der Juristen – pragmatische Praktiker, Studenten, verhinderte Wissenschaftler, Wissenschaftler, Technik-Freaks. Wo der eine nach Qualität ruft, sieht der andere Zensur. Was dem einen “abgehoben” ist dem anderen “niveaulos”. Es ist der typische Zwischenmenschliche Konflikt, nichts neues – neu ist nur, dass scheinbar eine ganze Berufsgruppe meint, nur aufgrund ihres Berufes dagegen gefeit zu sein.

Die gerade stattfindenden Diskussionen schädigen nicht den Stand der Juristen. Sie mögen demaskieren, vor allem den (sich gerne als erhaben darstellenden) Juristen als Menschen. Solange nur kurzfristig, sind sie Schall und Rauch, Sturm im Wasserglas – wenn wir das aber in nächster Zeit häufiger haben werden, wird es in gewisser Weise öde und langweilig, denn (gerade der jetzt persönlich ausufernde Streit) ist auf allen anderen Webseiten ebenfalls zu finden. Dafür brauchen wir keine Blawgs mehr und es könnte durchaus sehr viel Attraktivität nehmen. Dann ist in der Tat mittelfristig Schaden für sämtliche Blawgs zu befürchten – weniger im Ansehen als in der Aufmerksamkeit.

Ich bin gespannt, ob ich morgen wieder die gewohnte Mischung aus persönlichen Gedanken, fachlichen Infos und auch Boulevard finde. Ich hoffe auf einen interessanten Abend morgen im RSS-Reader. Und zum Abschluss noch zwei Worte an euch, ihr Juristen:

  1. Ich habe in diesem Artikel ganz bewusst keinen Link zu auch nur irgendeinem Beitrag dieser Diskussion gegeben.
  2. So geistig tief gestapelt, wie so mancher Kommentar einiger Neider den ich hier manchmal ertragen muss, ist kein einziger der Artikel die ich bisher lesen musste.

p.s.
Kommentieren ist hier zur Zeit nicht möglich. Aus gutem Grund.
Und als vorbeugender Nachtrag, weil ich zunehmend befürchte, dass die sich inzwischen in Rage geschriebenen Mit-Blogger das falsch verstehen, was ich hier geschrieben habe: Dieser Artikel macht niemandem Vorschriften. Wer das herausliest, hat ihn nicht begriffen. Dieser Artikel übt keine Kritik an RA S oder AH – wer das herausliest, hat ihn nicht begriffen. Dieser Artikel verlangt von niemandem, sich zu rechtfertigen – wer das herausliest, hat ihn nicht begriffen (Ich habe ja in der Tat genug Probleme, weil man mir immer wieder vorwirft, ich würde nicht professionell genug schreiben). Dieser Artikel sendet vor allem keine Ansprüche an Jurablogs.com, wer das herausliest, hat ihn nicht begriffen. Und die Freiheit, zu Urteilen ob mir etwas gefallen hat oder nicht, werde ich mir noch nehmen dürfen (genau das wird ja immer wieder von den Kritikern in anderen Blogs für sich selbst gefordert – also gesteht es mir auch zu) – nur aus dieser Meinung heraus irgendwelche Erwartungshaltungen an andere herauszulesen ist unpassend und wer das tut, der hat den Inhalt des Artikels nicht begriffen.
Noch was: Ich habe heute mit Matthias (von Jurablogs) telefoniert und ich hatte nicht den Eindruck, dass er irgendwelche Erwartungshaltungen hier hinsichtlich Jurablogs herausgelesen hatte. Also macht euch um mich und Matthias keinen Kopf .

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