SPON vs. Obama vs. Blawgs: Einwurf vom Studenten

Es gibt zwei Analysen und ich sage: Ichglaube, ihr liegt alle falsch. Denn ihr macht den zweiten vor dem ersten Schritt.
Die Frage ist interessant und fordert dem Juristen eine Menge ab: Als SPON die Fotos von Obama via Flickr nutzte – haben die gegen die ausgewählte CC-Lizenz verstossen?

Das Problem: Sowohl Advisign als auch Archivalia stürzen sich direkt auf das UrhG, das sie beide zwar treffend analysieren – aber dabei eben die vertragliche Grundlage übergehen. Oder wie man im Studium lernt: Bevor ich die Regeln zum Werkvertrag aus dem BGB anwende, sehe ich mir erstmal das Vertragswerk genau an.

Und auch wenn Advisign wenigstens einen Satz schreibt:

[...] nur zu unkommerziellen Nutzung freigegeben worden sind (NC), SpOn aber eine kommerziell betriebene Seite ist.

So ist das doch zu kurz. Denn ist SPON das wirklich? Klar, der Spiegel-Verlag möchte Geld verdienen und da ist auch Werbung zu sehen – aber ist es deswegen auch kommerziell? Jetzt vorsichtig sein und nicht einfach “ja” schreien, denn man zeigt genau dann, dass man zu schnell ist.

Erstmal den anderen Fall betrachten: Wenn der gedruckte Spiegel das bringen würde, wäre es sicherlich kommerziell. Aber nicht wegen der Werbung darin, sondern weil ich Geld bezahlen muss, um es überhaupt zu sehen. Bei SPON ist das anders: Da sehe ich es sofort. Und wenn ich Adblock laufen habe, sogar ohne Werbung.

Die Frage der Unterscheidung ist nicht so einfach, wie man sie sich machen möchte: Die CC-Betreiber wissen das und können es selber nicht unterscheiden. Deswegen gibt es Anfang 2009 eine Studie zu dieser Frage – und bis dahin ist zumindest eines klar: Im Einzelfall ist die Frage eines kommerziellen Angebotes nicht mit nur einem Satz zu beantworten.

Ich bin gespannt, was uns die Studie bringen wird – die Frage quält nicht nur mich, sondern schon seit Jahren Entwickler, die die “nicht-kommerzielle” Nutzung ausschliessen wollten. Ich kann in den letzten Jahren nur einen Kernbereich ausmachen: Dass nämlich der Weiterverkauf an sich ausgeschlossen sein soll. Dass Werbung oder eine kommerzielle Intention dahinter stehen ist solange gleichgültig, wie die Inhalte noch (im weitesten Sinne) frei zugänglich sind. Aber das ist nur ein Erfahrungswert, den ich unter Programmierern gewonnen habe und dem ich keinesfalls einen absoluten Anstrich verleihen möchte.

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