Scham angesichts mancher Medienberichte zur #loveparade
Artikel-Daten: Jul 25th, 2010 | By Jens Ferner | Category: Jurakopf.de-Intern, News | KurzlinkJens Ferner bei Twitter folgen
Bisher hatte ich zu den tragischen Vorkommnissen bei der Loveparade nur sehr wenig (und nur via Twitter) geschrieben. Da ich selbst mit der Veranstaltung nie etwas zu tun hatte und auch niemanden kenne, der hier involviert ist, war ich zwar von einer allgemeinen Trauer und tiefen Bestürzung erfasst (begleitet von zunehmender juristischer Fassungslosigkait ob der Umstände), sah aber keinen Anlass, dem noch einmal gesondert Ausdruck zu verleihen.
Das ändert sich aber momentan erheblich, da ich zunehmend mit Medienberichten zum Thema konfrontiert werde. So “durfte” ich heute morgen schon die Titelseite der “BILD” beim Bäcker zur Kenntnis nehmen und kann nur mit Abscheu feststellen, dass Opfer es nicht verdient haben, derart zur Schau gestellt zu werden.
Auch heute Mittag wurde mir dann via “Tagesschau.de” ein Satz eines Panikforschers gewahr, der wohl an dem Sicherheitskonzept zur Loveparade beteiligt gewesen sein soll. So stand in dem Artikel dann der Spruch:
“Es gibt aber immer Menschen, die sich nicht an die Spielregeln halten”
Was ich als Versuch verstehe, die Verantwortung – zumindest teilweise – den Opfern oder zumindest den weiteren Involvierten zuzuschieben. Leider ist der Artikel auf Tagesschau.de schon wieder entfernt bzw. inhaltlich geändert, man findet dazu aber noch einen sehr passenden Kommentar hier, dem ich erst einmal nichts hinzufügen möchte.
Dem Fass den Boden ausgeschlagen hat aber ein Kommentar von Eva Hermann, zu finden hier. Dabei liest man Folgendes, von mir stark zusammengeschnitten um meine Lesart zu verdeutlichen:
Die Loveparade in Duisburg ist zu einem Sodom und Gomorrha mit katastrophalen Folgen geworden [...] das amtliche Ende der “geilsten Party der Welt”, der Loveparade, dürfte mit dem gestrigen Tag besiegelt worden sein! Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht kann man nur erleichtert aufatmen!
Das was ich dort herauslese, der Vergleich mit einem “Sodom und Gomorrha” und der biblischen Vernichtung selbiger Städte in Kombination mit einem “erleichterten Aufatmen”, ist für mich in meinem Empfinden nicht nur eine Beleidigung der Opfer, es ist schlicht widerlich. Angehörige und Freunde von Opfern haben es nicht verdient, zu Gunsten eines biblischen Bildes zu erleben, wie ihre geliebten Mitmenschen instrumentalisiert und auf den eigenen Emotionen herumgetrampelt wird. Als Jurist hatte ich bei diesen Zeilen übrigens direkt den §130 StGB (Volksverhetzung) im Hinterkopf, denke aber, dass Fr. Hermann hieran ganz knapp vorbei geschrabbt ist. Ich bin gespannt, ob das Thema andernorts noch vertieft wird.
Im Ergebnis lese ich in dem widerwärtigen Kommentar von Fr. Hermann aber nur eine Aggression heraus, die mir heute morgen schon in dem Foto der “BILD”-Titelseite begegnet ist. Wer wahrgenommen werden will, muss eben mithalten. Ich bin mit Abscheu und Scham erfüllt und hoffe inständig, dass die verletzten Opfer, die Angehörigen und Freunde zur Zeit nur sehr gefiltert mit der aktuellen Presse und solchen Ausbrüchen konfrontiert werden. Sie haben in diesen schweren Zeiten unsere Solidarität verdient, eine Selbstverständlichkeit – möchte man meinen.
Hinweis: Ich habe den Beitrag aus zweierlei Gründen auf Jurakopf eingestellt. Zum einen glaube ich, dass zu der hier angesprochenen Zielgruppe (Studenten) auch manche gehören, die mittelbar von dem Thema betroffen sind. Zum anderen möchte ich meinen Teil dazu beitragen, dass Juristen der entsprechenden Fachrichtungen das Thema (Äußerungen des Panikforschers, Kommentar von Fr. Hermann und Reflexion des Kommentars im Netz) zur Kenntnis nehmen und sich ggfs. auch juristisch damit auseinandersetzen.
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[...] in einem Statement zu ihrem gestrigen “Kommentar” zum Thema “loveparade” (hier von mir angesprochen). Ich möchte das, was dort steht, nicht mehr dezidiert analysieren, denn offenbar versteht Fr. [...]