Das wird jetzt keine Rezension, sondern ein allgemeiner Rundumschlag; Es geht um die Niederle-Skripte und die Frage, ob die was taugen. Das ein oder andere habe ich hier auf der Seite ja schon besprochen, doch möchte ich jetzt einfach einmal einen persönlichen Kommentar zu sämtlichen Skripten verfassen.
Die erste Frage sollte lauten: Auf welcher Basis kann ich mir so einen Kommentar erlauben. Nun, ich denke, ich habe eine solide Basis: Ich habe fast das vollständige Verlags-Programm hier im Regal. Allerdings nicht, weil ich von Niederle gesponsort bin oder weil ich einfach alles gekauft habe – ich hatte schlicht Glück bei eBay. Ich habe nacheinander zwei Mal zugeschlagen, als für wenig Geld zwei umfassende Pakete angeboten wurden.
Das “Problem” bei den Skripten liegt auf der Hand: Der Anfänger, der in die Buchhandlung geht und z.B. den Wessels AT in der Hand hat, dazu dann den Niederle zum StGB AT in die Hand nimmt, der kann einfach (ohne Vorwissen) nicht guten Gewissens den Niederle kaufen. Aufgrund der eklatanten Unterschiede im Umfang, muss man ja schon davon ausgehen, dass da elementare Inhalte fehlen. Aber eben deswegen ist man ja Anfänger: Weil man keine Ahnung hat.
Ich für meinen Teil bin Anhänger des Pareto-Prinzips, das besagt: 20% eines Textes enthalten 80% der Informationen. Umgemünzt heißt das: Ein Autor, der sich auf das Wesentliche besinnt und kurz sowie knapp schreibt, der kann durchaus bei gleichem Inhalt ein erheblich dünneres Buch präsentieren. Die Buchdicke interessiert mich seit dem 2. Semester bei Jura-Büchern nicht mehr, außer – so viel Ehrlichkeit muss sein – ich stelle es mir ins Regal zum Angeben.
Damit ist aber nur das pauschale Urteil erstmal in Frage gestellt – konkret bin ich dazu übergegangen, die Bücher von Niederle in 4 Kategorien einzuteilen:
- Fallbücher
- Skripte zu Kernthemen
- Skripte zu Nebenthemen
- Zusammenfassende Skripte
Die Fallbücher habe ich vor sehr langer Zeit mal besprochen (hier zu finden), außerdem sind sie inzwischen Bestandteil des Einkaufsguides. Und das aus gutem Grund, ich mache es hier kurz: Wer in den Übungen Klausuren schreibt und die entsprechenden Fallbücher von Niederle nicht kauft, ist es schlicht selber Schuld.
Schwieriger sind die Skripte zu den “Kernthemen”, damit meine ich Bereiche wie Strafrecht AT, Sachenrecht oder Verwaltungsrecht AT – all das, was bei uns sitzen muss und umfassend vorausgesetzt wird. Inhaltlich finde ich – und ich nutze die Skripte bis heute, dazu gleich mehr – dass die Skripte hier schon das bereit halten, was man braucht. Spätestens in einer Hausarbeit aber merkt man den fehlenden Tiefgang dann doch; Um das deutlich zu sagen: Die Skripte haben nirgendwo den Anspruch, bei einer Hausarbeit als Vorlage zu dienen – das kann also keine Kritik sein und ist so auch nicht gemeint. Man muss eben nur wissen, dass es sich hierbei um stark komprimierte Werke handelt, inhaltlich auf das reduziert, was man garantiert wissen muss.
Im Ergebnis war es mir schlicht zu schnell, im Bereich der Kernthemen mit Niederle ein Thema zu erarbeiten: Aufgrund des Kompakten Textes wird sehr schnell von Thema zu Thema gesprungen, ja schon fast gerannt, und ich lasse mir gerne Zeit,wenn ich mir etwas inhaltlich erarbeite. Daher habe ich hier davon abgesehen, mir Themen mit Niederle als Einstieg an zueignen. Allerdings ist mein Faible für (Kurz-)Lehrbücher ebenso bekannt wie umstritten.
Ich habe aber an anderer Stelle von Niederle sehr stark profitiert: Beim Wiederholen. Wenn ich mir etwas erarbeitet habe und es möglichst kurz inhaltlich wiederholen möchte, nehme ich mir immer wieder eines der Niederle-Skripte und gehe damit das Thema durch. Das hilft, die echten Basics festzuklopfen und abzufragen. Außerdem sind die Skripte schlicht handlich und portabel. Der Preis steht zudem nicht im Wege, wenn ich mir die Skripte als Ergänzung zum Nacharbeiten beschafft habe – von den eBay-Paketen mal ganz zu schweigen.
Ganz anders ist es dabei bei “Nebenthemen” (wobei jetzt sicherlich viele Aufschreien, bitte die Themen einfach unabhängig von eventuellen Schwerpunkten bewerten). Dazu gehören für mich Themen wie Internationales Prozessrecht, Europarecht, Gesellschaftsrecht oder Handelsrecht. Man muss sie einerseits gut beherrschen, andererseits kann man angesichts der Stoffülle im Kernbereich nicht so viel Zeit aufwenden, wie z.B. beim Verwaltungsrecht AT.
Hier war ich für jedes einzelne Niederle-Skript dankbar: In kürzester Zeit das wichtigste gelernt, was in Klausuren (dort als Randerscheinung) auftritt. Keine dogmatische Ablenkung, nur die wichtigsten Schemata und wirklich konzentrierte Texte. Beispielhaft verweise ich auf meine Besprechung des Europarecht-Skriptes, hier zu finden. In diesem Bereich ist Niederle für mich der Tipp schlechthin.
Ein wirklich anderes Thema sind die “zusammenfassenden Skripte”, wobei hier die Meinungen stark auseinander gehen. Ich z.B. bin ein Fan der “500 Spezial-Tipps” wegen des Anhangs mit den Zeitschriften-Fundstellen. Das aber ist umstritten, dazu nur die Kommentare hier lesen.
Bei den Skripten zu den Schemata muss ich feststellen, dass diese mir gut gefallen und eine gute Arbeitshilfe sind, um sich Strukturen zu erarbeiten, gerade die Idee für Nebengebiete (StPO, Gesellschaftsrecht, Handelsrecht etc.) ein Skript mit gesammelten Schemata und Erläuterungen rauszubringen fand ich sehr ansprechend.
Noch schwierig tue ich mich mit den Definitionsskripten, hier bin ich mir unsicher, wie ich dazu stehe – daher verzögert sich die schon länger vorbereitete Besprechung dieser Büchlein seit einiger Zeit.
Im Ergebnis kann ich feststellen, dass die Niederle-Skripte ein sehr gutes Werkzeug beim Lernen sind. Meine obige Einteilung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Perfektion – es ist eine ganz persönliche Sichtweise, die danach ruft, von anderen kritisiert oder ergänzt zu werden. Ich kann jedenfalls nur raten, an den Skripten von Niederle nicht einfach vorbei zu laufen: Sie sind sehr lohnend und stehen bei mir insgesamt sehr hoch im Kurs.
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