Martin Schwab: Zivilprozessrecht

Mir ist in meinen Jahren des Jura-Studiums kein Pflichtfach begegnet, in dem derart oft auf Lücke gelernt wurde, wie beim Zivilprozessrecht. Und das wirklich spannende ist ja, dass man mit einer guten Chance, ohne irgendwelche Kenntnisse in diesem Bereich durchaus sogar durchs Examen kommen kann. Allerdings gehören Grundkenntnisse der ZPO meines Wissens inzwischen schon zu manchen Zwischenprüfungen, und in manchen Schwerpunktbereichen kann einem hier auch eine Klausur begegnen. Der Druck, hier wenigstens die Grundlagen zu beherrschen, sollte also durchaus gestiegen sein.

Das Problem beim Zivilprozessrecht ist sicherlich, dass man zum einen etwas theoretisch lernen soll, was letztlich von der Praxis bestimmt wird. Jedenfalls bei mir lag hier immer mit der Knackpunkt, zumal man – wenn man durchaus etwas Einblick in den Zivilprozess hat – schnell verwundert ist, was in einem Lernbuch stehen kann und wie es in der Praxis dann läuft.

Und man darf sich nicht vertun: Ich werde in der jüngeren Vergangenheit (ich bin ja inzwischen Rechtsreferendar) durchaus nicht selten von Referendaren nach einer kurzen Einführung in die (theoretischen) Grundlagen der ZPO gefragt, die nach einer mitunter auch längeren Pause hier schlicht auf gewohntem Terrain den Einstieg suchen wollen. An dieser Stelle der Hinweis: Referendare lesen meine Empfehlungen auf Referendarszeit.de und steigen hier aus dem Artikel aus.

Bei Schwab findet man durchaus praktische Einschläge, aber – wie immer – mit den typischen Akademischen Problemen. Weiterhin werden Meinungsstreits ausführlich analysiert, dabei auch gerne mal die Meinung des BGH abgelehnt. Hier merkt man die Ausrichtung auf universitäre Klausuren dann sehr stark und sollte nicht glauben, dass das später im Referendariat in dieser Form nötig oder überhaupt gewollt ist.

Was mir als erstes aufgefallen ist, ist die gute Einführung, die hier durchaus sinnvoll ist, um dem Leser einen ersten Überblick zu geben und das Verständnis zu schaffen, über was man auf den folgenden Seiten spricht. Innerhalb weniger Seiten haben vollkommen unbedarfte hier einen sehr kompakten Überblick und ein kleines System, an dem sie sich langhangeln können. Gut dabei: Geboten werden nicht abstrakte Ausführungen, sondern konkrete Muster (beispielhaftes Protokoll oder Klageschrift) die systematisch erklärt werden, also warum eine bestimmte Formulierung in dieser Form an einem bestimmten Ort steht.

Im Weiteren ist das Buch ganz „typisch“ aufgebaut. Also es wird nicht – was zu begrüßen wäre – ein konkreter Fall schritt für Schritt durchprozessiert, sondern man geht die einzelnen Themen der Reihe nach ab und erfährt dazu, mit Beispielfällchen untermalt, die (für die Klausur) wesentlichen Inhalte:

  1. Parteien des Rechtsstreits
  2. Gegenstand des Rechtsstreits
  3. Der zur Entscheidung berufene Richter
  4. Allgemeine Verfahrensgrundsätze
  5. Überblick über das zivilgerichtliche Verfahren im ersten Rechtszug
  6. Die Beendigung des Rechtsstreits
  7. Die Rechtskraft
  8. Der Parteiwechsel
  9. Fragen des Beweisrechts
  10. Wirkungen der notwendigen Streitgenossenschaft
  11. Prozessaufrechnung
  12. Mahnverfahren
  13. Korrektur fehlerhafter Gerichtsentscheidungen

Was mir bei Schwab gefallen hat waren die „Zusammenfassungen“, die leider nicht am Ende eines jeden Kapitels erfolgen. Zumindest die grundsätzlichen Vokabeln kann man damit fest verankern – schön wäre es natürlich noch, wenn man alle Grundbegriffe am Ende des Buches in einer Liste hätte, um diese durch zu gehen und zu prüfen, welche Begriffe einem etwas sagen und welche nicht. Mit dazu gesetzten Fundstellen könnte man so zielgerichtet das Grundvokabular nicht nur aufbauen, sondern (vor allem vor Klausuren) gezielt pflegen.

Ansonsten gibt es nichts anzumerken: Das Buch ist umfassend, dabei teilweise schon zu umfassend. Alles in allem kann man hiermit ein durchaus grundlegendes und brauchbares Verständnis des Zivilprozessrechts aufbauen.

Jurakopf-Einschätzung

Ein gutes Buch, das im Studium keine Wünsche offen lässt. Die Kritik sehe ich wenn überhaupt, dann beim Umfang des Buches: Vorausgesetzt wird ein grundlegendes Wissen, dieser Anspruch wird hier bei weitem gesprengt. Andererseits wird es dadurch zu einem Buch, mit dessen Lektüre man sehr gut eine Vorlesung begleiten kann. Ich sehe hier ein insgesamt gelungenes Buch dessen einmalige Anschaffung durchaus ausreichend sein sollte um das Thema abzudecken.

Daten zum Buch

Martin Schwab
Zivilprozessrecht
3. Auflage
Verlag C.F.Müller
ISBN 9783811496354
Preis: 22,95 Euro

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